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Aktuelle Meldungen vom 08.03.2004

Workshop: Was tun gegen Gentechnik?

Gentechnikfreie Zonen eine Chance

Große Chancen, etwas gegen gentechnisch veränderte Pflanzen in Deutschland zu tun, versprechen sich die Gentechnik-Gegner vor allem von den so genannten "gentechnikfreien Zonen", in denen keine gentechnisch veränderten Pflanzen angebaut werden dürfen. Das war ein Ergebnis des Workshops von Biokreis, bei dem sich 60 Aktivisten aus allen Bundesländern sowie einigen Nachbarländern getroffen haben. Dort wurden laufende Aktionen und gemeinsame Pläne vorgestellt.

Auf dem Workshop im Rahmen der größten internationalen Öko-Messe BioFach verwies Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), auf die Möglichkeiten des Konzepts der "Gentechnikfreien Zonen". Bei einem entsprechenden Antrag sollte unbedingt der Gemeinderat mit einbezogen werden, denn so werde das Thema in die Öffentlichkeit transportiert. Deshalb empfahl er allen Gentechnik-Gegnern, gerade auf der lokalen politischen Ebene zu handeln. Denn: In der Diskussion über eine "Gentechnikfreie Zone" in ihrer Gemeinde müssten sich Bauern, Gemeinderäte und Bürgermeister entscheiden, ob sie für oder gegen Gentechnik seien.

Auch eine Ebene höher gelte es, den Druck zu verstärken, sagte Dr. Alexander Gerber (Geschäftsführer BÖLW). Gerade die lokalen Landes- und Bundespolitiker könnten - müsste das deutsche Gentechnik-Gesetz durch den Vermittlungsausschuss von Bundestag und -rat - den Prozess noch entscheidend beeinflussen. Gelingen solle dies u.a. durch eine schon angelaufene Info-Kampagne des BÖLW, durch die Kampagne "Save Our Seeds", durch die durchs Land tourende Gen-Tomate des Bund Naturschutz (BUND) sowie Einkaufsführern (Greenpeace) außerdem durch Info-Veranstaltungen, Demonstrationen und z.B. einem gemeinsamen Logo "Genfood? - Nein Danke!" nach dem Vorbild "Atomkraft? - Nein Danke!".

Dass der Boden dafür bereitet ist, zeigte das Treffen in Nürnberg, denn in allen deutschen Bundesländern bestehen und kämpfen bereits Bündnisse und Allianzen gegen die Agro-Gentechnik. Dazu gehören auch die Öko-Imker, die sich durch die Gentechnik in ihrer Existenz bedroht sehen. "Wenn Gentechnik und Kennzeichnungspflicht kommen, ist nicht nur die Öko-Imkerei am Ende", prophezeite Biokreis-Imker Utto Baumgartner, der ein gemeinsames Positionspapier der Öko-Anbauverbände vorstellte. Darin warnen die Autoren vor den fatalen Folgen der Gentechnik, die sämtliche Lebensmittel erfassen werde - eine Koexistenz von herkömmlicher Landwirtschaft, Ökolandbau und Gentechnik-Landwirtschaft sei nicht möglich. Es wird nicht nur unmöglich werden, Gentechnik freien Honig zu ernten sondern zudem werden die Bienen - als Pollenüberträger über viele Kilometer - den Ruf der "Verschmutzer" bekommen und somit unerwünscht in der Kulturlandschaft sein. Die Konsequenzen für das gesamte Ökosystem sind nicht abzusehen. Baumgartner will deshalb mit anderen Imkern Bienen vor dem Bundestag schwärmen lassen, um die Not der Imker zu dokumentieren.

Dass eine breite Front gegen die Gentechnik indes erfolgreich sein kann, dokumentierte der Österreicher Wolfgang Pirklhuber. Der grüne Agrarsprecher im Wiener Parlament informierte, dass sich bereits nahezu ein Drittel aller österreichischen Gemeinden zu "Gentechnikfreien Zonen" erklärt haben. Das Bundesland Oberösterreich habe sich sogar per Volksbegehren zur "Gentechnikfreien Zone" erklärt, was die EU-Kommission jedoch abgelehnt habe. Daraufhin habe Oberösterreich über die Republik Österreich den Einwand an die EU zurück gewiesen -Brüssel muss nun laut Pirklhuber erneut entscheiden.

Aber auch die Vertreter aus Slowenien, Norditalien, Tschechien, Ungarn, der Schweiz oder Luxemburg, die am Biokreis-Workshop in Nürnberg teilnahmen, sind optimistisch, dass ihre Region gentechnikfrei bleiben wird. Ob die zahlreichen Aktivitäten letztendlich zum Erfolg führt und ob die Gentechnik in Europa draußen bleiben muss, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Benedict Haerlin, der sich als Leiter der Kampagne "Save Our Seeds" (SOS) für ein Gentechnik-Reinheitsgebot für Saatgut einsetzt, ist da durchaus zuversichtlich. "Das ist eine gewinnbare Sache", machte er allen Teilnehmern Mut. Am Ladentisch würde die Gentechnik scheitern, denn mehr als 70 Prozent der Bürger Europas lehnten sie grundsätzlich ab. "Wenn die EU allerdings die Gentechnik durch die Hintertüre "Saatgut" einführt, ist die Sache entschieden." Doch soweit ist es noch lange nicht, der Widerstand, das wurde auf dem Aktivistentreffen deutlich, er lebt.


Mehr zum Thema

  • www.genfoodneindanke.de
  • www.saverourseeds.org
  • www.keine-gentechnik.de
  • www.faire-nachbarschaft.de
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